LESEPROBEN


Auszug aus "Bluternte" (Prolog)
(Niederbayern-Krimi)

Wie gelähmt stand sie in der Dunkelheit, unfähig, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Obwohl die Worte noch immer in ihren Ohren dröhnten und einem Echo gleich nachhallten, hatte sie Mühe, das Gesagte zu begreifen. Alles an ihr wehrte sich dagegen, es bis zu ihrem Verstand vordringen zu lassen. Denn das hieße, diese furchtbaren Worte zu akzeptieren, aufzugeben, loszulassen. Ihre Kehle schnürte sich zusammen und sie spürte Übelkeit aufsteigen.
„Was ist los? Geht es dir nicht gut?“

Hörte sie nicht Sorge und Angst in der Stimme? Sorge um sie? Der Gedanke ließ sie Hoffnung schöpfen und sie zwang sich, tief durchzuatmen. An ihrem Handgelenk spürte sie kaltes Metall. War das nicht der beste Beweis? Ihre Augen wanderten über das vertraute Gesicht und suchten nach einem Anzeichen, dass alles nur ein Irrtum, ein böser Traum war, der jede Sekunde zu Ende sein würde.
„Morgen fährst du dorthin. Hast du mich verstanden?“

Die wenigen Worte machten alles zunichte. Nein, dieser Albtraum war noch lange nicht vorbei. Es hatte gerade erst angefangen und sie wusste nicht, ob es jemals wieder aufhören würde. Sie versuchte etwas zu sagen, aber kein Laut kam über ihre Lippen.
„Ob du mich verstanden hast?“
Jetzt klang keine Sorge mehr aus der Stimme, sondern nur noch Wut. Blanke, kalte Wut, gepaart mit tiefer Verachtung.
Doch die Augen sprachen eine andere Sprache. Wenn auch nur für einen kurzen Augenblick, so hatte sie darin deutlich die Angst erkannt. Nicht Angst um sie, sondern die Angst, kurz vor dem Ziel alles zu verlieren und mit leeren Händen dazustehen. Denn nur darum war es stets gegangen. Nicht um ihr kleines, kümmerliches, unbedeutendes Leben. Wie hatte sie nur die ganze Zeit so blind sein können?

Ein nie gekanntes Gefühl von Triumph überkam sie. Triumph und … Macht. Sie würde den Preis dafür nicht allein zahlen.
„Das wirst du bereuen“, zischte sie.
Dann drehte sie sich um und rannte zu ihrem Fahrrad, das nur wenige Meter entfernt am Straßenrand stand. Die Nacht war frisch und klar und am Himmel prangte eine Mondsichel wie aus dem Bilderbuch.
„Was soll das heißen?“
„So lasse ich mich von dir nicht abspeisen. So ganz bestimmt nicht“, schrie sie, ehe sie auf ihr Fahrrad stieg.
Wie besessen trat sie in die Pedale. Weg, nur weg von hier. Ihre Wangen glühten und die Tränen, die sie solange zurückgehalten hatte, bahnten sich jetzt ungehindert ihren Weg. Der Wind blies ihr entgegen, zerrte an ihren Haaren und ihrer Kleidung. Aus ihrem Zopf begannen sich erste Strähnen zu lösen. Doch sie fuhr sich nur kurz mit der Hand über das
Gesicht und trat weiter in die Pedale.

Sie hatte das Anlassen des Motors nicht gehört. Erst als sie sich im Lichtkegel der Scheinwerfer befand, drehte sie sich um. Der Wagen fuhr dicht hinter ihr, dann scherte er aus und rollte neben ihrem Fahrrad. Das Fenster der Beifahrerseite wurde heruntergelassen.
„Jetzt warte! Wir können doch über alles reden.“
„Ich wüsste nicht worüber. Es ist alles gesagt. Du hast es nicht anders gewollt.“

Unbeirrt fuhr sie weiter. Sie würde nicht stehenbleiben. Dafür war es zu spät.
Der Wagen wurde langsamer und blieb einige Meter hinter ihr zurück. Noch einmal drehte sie sich um. Die Scheinwerfer wirkten wie Irrlichter in der Dunkelheit. Verloren, fehlgeleitet. Gleichsam eine Metapher für ihr eigenes Leben. Plötzlich lenkte sie das Fahrrad in das Parkett. Die schmalen Reifen kamen auf dem unebenen Untergrund sofort ins Trudeln. Der Lenker begann zu vibrieren und sie drohte zu stürzen. In letzter Sekunde gelang es ihr, das Gleichgewicht zu halten und auf die Straße zurückzukehren. Ihr Herz raste und ein Adrenalinschub jagte durch ihren Körper. Wie leichtsinnig, wie unachtsam von ihr. Dabei wusste sie doch, was es zu bewahren und zu beschützen galt.

In diesem Augenblick heulte der Motor laut auf und der Wagen schoss mit Vollgas die Straße entlang. Entsetzt wandte sie sich um. Die Scheinwerfer kamen immer näher. Geblendet von ihrem grellen Licht schloss sie instinktiv die Augen. Der Knall, als die Motorhaube das Fahrrad erfasste, hallte durch die Nacht.

Doch niemand hörte ihn. Niemand sah ihren schmalen Körper durch die Luft schleudern.
Sie war tot, ehe sie auf dem Asphalt aufschlug.


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Auszug aus "Der letzte Tanz" (Prolog)
(Niederbayern-Krimi)



Im Haus war es dunkel und still. Keine polternden Schritte auf der Treppe, keine lauten Stimmen; nichts, was die abendliche Ruhe hätte stören können. Die Turmuhr von St. Ulrich schlug zweimal zur halben Stunde. Tief und wohlklingend ertönten die Glocken der Dorfkirche und ließen die Person, die in einem Sessel vor dem Kaminfeuer saß, einen Blick auf ihre Armbanduhr werfen: erst halb sechs. Jetzt, Anfang Februar, waren die Tage noch kurz und boten, wenn sich, so wie heute, der Nebel überhaupt nicht lichten mochte, ein graues und trübes Einerlei. Zudem war der Winter in der vergangenen Woche mit eisiger Kälte zurückgekehrt und hatte die Landschaft unter einer dicken Schneedecke begraben.

Höchste Zeit, etwas Farbe in das Leben der Menschen zu bringen, hatte Pfarrer Hartl am Sonntag im Gottesdienst voller Vorfreude gesagt.

Nach den obligatorischen sieben Jahren würde endlich wieder der Schäfflertanz in Altenberg aufgeführt werden. An den bevorstehenden Faschingstagen würde er die Kreisstadt und ihre umliegenden Dörfer mobilisieren und begeistern, wie es keinem zweiten Ereignis in der Gegend gelang. Nur er vermochte sogar die verfeindeten Nachbarsdörfer Neukirchen und Ebersbach ihre gegenseitige Abneigung in diesen fünf Tagen vergessen zu lassen. Überall herrschte eine Mischung aus freudiger Erwartung und Anspannung. Zwei Altenberger Konditoreien waren in einen regelrechten Wettstreit um die originellere und bessere Schäfflertorte getreten, und auch in den Auslagen der örtlichen Metzgereien fand sich so manche fantasievolle Neukreation. Die Lokalzeitung hatte ein Preisausschreiben gestartet und zählte in jeder Ausgabe die verbleibende Zeit bis zum Eröffnungstanz vor dem Altenberger Rathaus. Noch zehn Tage.

Doch die Person interessierte sich nicht für die bunte Anzeigenkampagne der „Altenberger Nachrichten“, die vor ihr auf dem Tisch lagen. Auch der Vorfreude von Pfarrer Hartl und den anderen Neukirchnern mochte sie sich nicht anschließen. Starr und unbeweglich saß sie seit einer Stunde in ihrem Sessel und blickte in das knisternde Kaminfeuer, der einzigen Lichtquelle im Raum.

Dann ging plötzlich ein Ruck durch ihren Körper und sie griff nach dem Gegenstand, der schon die ganze Zeit neben der Zeitung auf dem Tisch gestanden hatte.

Eine kleine Holzfigur in Form eines Schäfflers hing an dünnen Schnüren befestigt zwischen zwei bunten Holzleisten. Sobald man die Leisten am unteren Ende leicht zusammendrückte, machte die Figur einen eleganten Überschlag. Das fragile Konstrukt war von einem Schreiner, selbst ein ehemaliger Schäffler, eigens für die Faschingstage angefertigt worden und hatte sich in den Altenberger Geschäften schon im Vorfeld als wahrer Verkaufsschlager entpuppt.

Rolle vorwärts, Rolle rückwärts, Rolle vorwärts, Rolle rückwärts. Immer wieder drückte die Person die Holzleisten zusammen und ließ die Figur ihre akrobatische Turnübung ausführen. Dabei summte sie leise eine Melodie. Die Melodie, die die Schäffler schon bald während ihrer Tanzaufführungen begleiten würde. Der Schatten der Figur, den die Flammen des Kaminfeuers an die gegenüberliegende Wand projizierten, wirkte unnatürlich groß. Es fühlte sich an, als ob ein weiterer Mensch im Raum anwesend wäre. Als ob er auf einmal da wäre.

Abrupt hielt die Person in ihrer Handbewegung inne. Kein Ton kam mehr über ihre Lippen. Wie hypnotisiert starrte sie auf den ruhenden Schatten. Der Hass kam mit solcher Wucht, dass sie die Figur am liebsten quer durch den Raum geschleudert hätte. Abgrundtiefer Hass, gefolgt von dem Wunsch, ihn für immer auszulöschen. Ihre Hände krampften sich um das Holzspielzeug, bis die Knöchel weiß hervortraten. Sie schloss die Augen und zwang sich, ein paar Mal tief durchzuatmen.

Allmählich wurde sie ruhiger, ihre Finger lockerten sich. Fast schon mitleidig betrachtete sie den Gegenstand in ihrer Hand, ehe sie erneut die vertraute Melodie zu summen anfing. Langsam, geradezu andächtig, löste sie dabei die Fäden und riss der Figur nach und nach die angeschraubten Gliedmaßen ab. Schließlich zerlegte sie das Holzspielzeug so lange, bis sämtliche Einzelteile vor ihr auf dem Tisch lagen.

„Asche zu Asche, Staub zu Staub.“

Ein diabolisches Lächeln umspielte für einen kurzen Augenblick ihre Lippen.

„Fahr zur Hölle“, zischte sie und warf die Teile in das Kaminfeuer, wo sie innerhalb weniger Sekunden von den Flammen vernichtet wurden.

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Auszug aus "Walpurgisnacht"
(Niederbayern-Krimi)



Missmutig blickte Cornelius auf das kleine Display. Tabea würde ihn die nächsten Tage nicht in Neukirchen besuchen kommen, da sie Tom zu Fotoaufnahmen nach Teneriffa begleitete. »Du bist doch nicht böse, Papilein? Das ist ein ganz wichtiges Shooting für Tom und er braucht mich.«

Nein, das Papilein war natürlich nicht böse. Warum Tom auf einmal Tabea dazu brauchte, um in eine Kamera zu lächeln, war ihm zwar schleierhaft, aber er hatte es sich irgendwann abgewöhnt, die Entscheidungen seiner Tochter zu hinterfragen. Wahrscheinlich klangen einige Tage Aufenthalt auf einer Atlantikinsel mit diversen Leuten aus der Film- und Modebranche einfach vielversprechender als ein Urlaub zwischen Wald und Wiesen.

Er rief Ramona an, aber ihm wurde nur mitgeteilt, dass der Gesprächsteilnehmer vorübergehend nicht zu erreichen sei. Sie nahm es ihm bestimmt noch übel, dass er ihren Anruf am Nachmittag nicht angenommen hatte. Cornelius musste feststellen, dass er bei seinen beiden Frauen momentan nicht allzu hoch im Kurs stand.

Aber wenigstens würde ihn Valerie morgen erst in die Sonntagsmesse und dann zur Maibaumaufstellung begleiten.

Als er die Haustüre aufschloss, hörte er die Turmuhr von St. Ulrich Mitternacht schlagen. Es war Walpurgisnacht – die Nacht, in der mancherorts jede Menge Unsinn und Schabernack getrieben wurde. Lass das gute Stück nicht aus dem Auge, schickte er Sascha deshalb in Gedanken hinterher.

*

Sascha Eichinger wusste nicht, wo er war. Sein Kopf brummte wie ein Bienenstock und irgendjemand hatte ihm die Augen verbunden. Was zum Teufel war mit ihm passiert? Die Scheunentür war plötzlich aufgegangen und er hatte zwei schwarz gekleideten Gestalten mit Masken gegenübergestanden. Die Gesichter sahen auf den ersten Blick furchtbar aus, aber der Schreck war schnell der Belustigung gewichen. Glaubte man in Ebersbach ernsthaft, eine Faschingsmaske würde ihm Angst einjagen? Mit einem spöttischen Lächeln hatte er sich umgedreht und nach seinem Telefon gebückt, als er hinter sich eine rasche Bewegung wahrnahm. Im selben Augenblick wurden ihm auch schon Mund und Nase zugehalten. Das Letzte, woran er sich erinnern konnte, war ein stechender Geruch. Dann wurde alles schwarz.

Erstaunt bemerkte er, dass er seine Hände frei bewegen konnte, und er fasste instinktiv nach der Augenbinde, um sie abzunehmen.

Der Ort kam ihm bekannt vor, aber es dauerte einige Sekunden, bis er begriff, wo er sich befand. Wer auch immer sich diesen zweifelhaften Spaß erlaubt hatte, hatte sich die Mühe gemacht, ihn bis zu den Keltenschanzen zu schleppen. Er hatte jegliches Zeitgefühl verloren und keine Ahnung, wie lange er schon hier draußen saß. Er wusste nur, dass ihm kalt war, was nicht verwunderlich war, da ihm seine Angreifer offenbar den Pullover ausgezogen hatten und er nur noch sein T-Shirt trug, das mehrere Risse und Löcher aufwies.

Sein Mund fühlte sich staubtrocken an. Er wollte aufstehen, spürte aber, wie ihm schwindlig wurde. Er blieb einige Minuten regungslos sitzen, um dann einen neuen Versuch zu wagen. Mühsam stützte er sich am Stamm der alten Buche ab, als er plötzlich Schritte hinter sich hörte und sich langsam umdrehte. Wie in Zeitlupe sah er den dicken Ast auf sich zukommen, doch er schaffte es nicht mehr, der Wucht seines Angreifers zu entkommen.

Bereits der erste Schlag, der ihn direkt an der Schläfe traf, war tödlich ...

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Auszug aus "Pfadfinderehrenwort"
(Großbritannien-Krimi)

 


Heute würde sich allerdings Dr. Walters Vorzimmerdrachen das letzte Mal in seinem Büro ausbreiten. Das wollte er dieser alten Junger jetzt dann auch gleich unter die Nase reiben. Mit einem hämischen Grinsen dachte er an das Gesicht, das sie dabei machen würde. Er wusste, dass sie ihn nicht mochte, nein ... hasste! Vor allem seit er sich vor ein paar Wochen mal ihren Dr. Walters gegriffen hatte. Das war auch einer der Sorte, der meinte, es gehe immer im alten Trott weiter. Aber er musste aufpassen. Der Alte war eigentlich ein heller Kopf und seine stärkste Waffe für das neue Forschungsprojekt, und er durfte ihn nicht vergraulen. Nicht jetzt, da er schon genügend andere Sorgen hatte. Sein Sohn David war nicht die einizige Front, an der er zu kämpfen hatte, wenn auch die schwerste.
Als er an sein letztes Gespräch mit der jungen Frau dachte, stieg plötzlich eine unglaubliche Wut in ihm auf. Diese Anschuldigungen würde er sich nicht weiter gefallen lassen. Es war eine einzige Farce, ein dummer Witz! Aber so nicht! Er brauchte seine Kraft jetzt wahrlich für wichtigere Dinge. Er würde ein paar Scheinchen drauflegen, und dann war diese leidige Sache ganz schnell erledigt, dessen war er sich sicher. Wenn es um Geld ging, hatte noch niemand nein gesagt. Das würde er dieser Wahnsinnigen auch beim nächsten Mal klarmachen.

Christopher Parson war mittlerweile vor seiner Bürotür angekommen und suchte in seiner Jackettasche nach seinem Schlüssel. Missmutig sperrte er die Tür auf. Es würde alles wieder gut werden ... Irgenwann ... Es konnte doch nicht immer so weitergehen. Obwohl ihn in letzter Zeit ständig Magenschmerzen plagten, ging er nach wenigen Minuten in die angrenzende Kaffeeküche, um sich erst mal einen starken Kaffee zu kochen. Eigentlich sah er das ja nicht als sein Aufgabengebiet an - wie so manches hier - aber wenn er nur an Deborahs abenteuerliches Gebräu dachte, das sie ihm jeden Tag aufzutischen versuchte, wurde ihm schon schlecht. Und bei Lily Sharp musste er befürchten, jeden Moment vergiftet zu werden, abgesehen davon, dass er diese Person niemals um etwas bitten würde ... ganz im Gegenteil!
Gerade als er die Kaffeemaschine einschalten wollte, glaubte er ein Geräusch aus seinem Büro zu hören. Wer war denn um diese Zeit schon da? Und vor allem - wer marschierte hier, ohne um Erlaubnis zu fragen, direkt in sein Allerheiligstes? Deborahs hochhackigen Schuhe hätte er doch schon auf der Treppe gehört. Wahrscheinlich diese penetrante Sharp. Umso besser, dann konnte er ihr gleich mal sagen, was Sache war.

Mit energischen Schritten ging er den Korridor entlang und direkt in sein Büro. Doch zu seiner Verwunderung war der Raum leer. Seltsam, dachte er, ich hätte schwören können, ich hab jemanden gehört. Gerade als er sich wieder umdrehen und auf den Gang hinausgehen wollte, nahm er im rechten Augenwinkel eine Bewegung wahr. Aber ihm blieb keine Zeit mehr, darüber nachzudenken, warum sich jemand hinter der Tür versteckt hatte, denn der Stich kam ganz gezielt und traf ihn mitten ins Herz.

Er spürte keinen Schmerz, nur Kälte, die sich plötzlich in ihm ausbreitete ... furchtbare Kälte.


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Auszug aus "Der Shakespeare-Mörder"
(Großbritannien-Krimi)

Sie konnte sich später nicht mehr daran erinnern, wie lange sie regungslos dagestanden und fassungslos auf Maureen gestarrt hatte, unfähig, etwas zu sagen oder zu tun. Rose spürte nicht einmal die Kälte, die langsam von jedem Zentimeter ihres Körpers Besitz ergriff. Erst das immer lauter werdende Gekreisch der Möwen riss sie schließlich aus ihrer Erstarrung.
"Frank, einer von uns beiden muss zum Haus zurück und die Polizei anrufen. Du bist schon so viel gelaufen heute. Bleib bei ihr und pass auf sie auf, hörst du! Oh mein Gott, das wird Anne um den Verstand bringen ... "

Mit ihrer Fassung war es nun endgültig vorbei und Tränen schossen ihr bei ihren letzten Worten in die Augen. Langsam wandte sie sich von der Toten ab.
"Du weißt, wer sie ist?" Frank blickte seine Frau ungläubig an.
Rose war einen Moment verwirrt, aber dann wurde ihr schlagartig bewusst, dass Frank gar nicht wissen konnte, wer die Tote war. Sie selbst hatte Maureen ja auch nur durch ihre Freundschaft mit Anne kennengelernt. Er dagegen hatte das Mädchen nie zu Gesicht bekommen, denn sie hatte die Zeitung gewöhnlich einfach vor der Haustür abgelegt.
"Ja, Frank. Das ist Maureen Rigg, unser Zeitungsmädchen."
"Das ist ... oh mein Gott. Das arme Kind. Und ich war heute Morgen noch so wütend auf sie."
"Das konnten wir doch nicht wissen. Wer rechnet denn gleich mit dem ... Schlimmsten?"
Rose hatte eigentlich "Tod" sagen wollen, aber brachte das Wort nicht über ihre Lippen. Sie drehte sich um, um noch einmal einen Blick auf Maureen zu werfen. Nirgendwo war Blut zu sehen. Sie war zwar bis auf die Haut durchnässt, schien aber äußerlich unversehrt zu sein. Was um Himmels willen war mit ihr passiert? Wie lange sie wohl schon hier liegen mochte?
Als ob er ihre Frage gehört hätte, sagte Frank tonlos: "Ich glaube, sie war gerade auf dem Weg zu uns. Schau, dort hinten liegt ihr Rad mit den ganzen Zeitungen."

Frank deutete auf eine Stelle nicht weit von ihnen, wo ein Fahrrad im Sand lag, als hätte es jemand mit einem heftigen Stoß dorthin geworfen. Einige Zeitungen waren dabei aus dem Gepäckträger gerutscht und der kräftige Wind zerrte wie wild an den Blättern und hatte angefangen, sie überall auf dem Strand zu verteilen. Also war es heute Morgen passiert. Heute Morgen, als sie zu Hause nichtsahnend auf Maureen gewartet hatten ...

In diesem Augenblick fuhr auf der Straße, die direkt oberhalb des Strandes verlief und auch an ihrem Cottage vorbeiführte, ein Auto vorbei. Es war die Straße, die ihren Ortsteil, die East Sands, mit dem Zentrum von St. Andrews verband, und der morgendliche Berufsverkehr setzte allmählich ein. Rose hatte eine Idee.

"Frank, geh zur Straße und halt ein Auto an. Das geht schneller, als wenn einer von uns nach Hause zurückläuft."
"Ja, du hast recht. Kannst du ... schaffst du es, bei ihr zu bleiben?"
Frank blickte sein Frau besorgt an. Ihm war nicht entgangen, dass sie kalkweiß im Gesicht war und am ganzen Körper zitterte.
Rose winkte ab. "Ja, ja. Mach Dir um mich keine Sorgen. Es geht schon."
Frank wollte gerade Richtung Straße laufen, als ihm der Zettel wieder einfiel, den er bei dem Mädchen gefunden hatte. Er hatte ihn die ganze Zeit über in seiner Hand gehalten.
"Rose, das hatte sie übrigens bei sich. Weißt du, was damit gemeint sein könnte?"
Er reichte ihr das zerknitterte Stück Papier, aber Rose blickte nur genauso verständnislos auf die seltsamen Worte wie zuvor er. Kalter Boden, Kutsche, Gute Nacht ...
"Nein, Frank", meinte sie kopfschüttelnd, "ich habe nicht die leiseste Ahnung. Aber das müssen wir auf alle Fälle der Polizei geben, hörst du. Es könnte wichtig sein. Aber jetzt geh! Dort oben kommt ein Auto!"


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